P e t e r --K i l l e r

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----matthias frehner

----jon matheson

----guido magnaguagno

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Die Zeit um 1970 war ein wunderbare Zeit. Träume wurden Realität. Wenigstens für ein paar Jahre, Zum Beispiel der Traum, dass der Graben zwischen den Künstlern/Künstlerinnen und der breiten Öffentlichkeit überbrückbar sei. Oder dass die Kunstschaffenden sich gegenseitig nicht mehr als Konkurrenten, sondern als Kollegen betrachten würden. Paul und ich haben uns 1972 oder 1973 bei einer typischen Nachachtundsechziger-Aktion kennengelernt. Eine Gruppe von Bildhauern hatte es zustande gebracht, dass sie mitten in der Stadt Zürich ein Symposion durchführen konnte, einen jedermann zugänglichen, gemeinsamen Werkplatz hatten. Die Marmorblöcke, die sie bearbeiteten, waren ihnen übrigens gratis zur Verfügung gestellt – weil die Behörden den Sinn einer solchen Aktion eingesehen hatten (was vor 68 nicht denkbar gewesen wäre). Paul Siebers Figur steht heute dort, wo wie entstanden ist, beim Gymnasium Riesbach im Zürcher Seefeld-Quartier. Sie trägt den Titel «Salvador Allende». Einen bezeichnenden Titel, bezeichnend für die politisch engagierte Zeit der Entstehung, bezeichnend für Paul Sieber, der das, was sich in der Welt tut, bis heute wach und kritisch beobachtet.

Ich erachte es als Glück, dass wir damals jung sein durften. Durch die Erfahrung der Veränderbarkeit der Welt wurden wir in hohem Mass gegen die Resignation imprägniert. Spätere, jüngere Generationen machten andere Erfahrungen, oft jene des ohnmächtigen Ausgeliefertseins an die bestehenden Verhältnisse. Was veränderbar ist, kann sich bewegen. Das Stichwort Bewegung scheint mir fürs Schaffen von Paul Sieber charakteristisch. Stein gilt als der Inbegriff des Ruhenden, Unveränderlichen. Paul Sieber versteht den Stein anders. Gewaltige Energien haben zur Gesteinsbildung geführt. Magmatische, glühend heisse Massen waren die Steine vor dem Erkalten, Druck von unvorstellbarer Kraft hat die Sedimente verdichtet. Paul Sieber löst die Steine wieder aus ihrer Starre, gibt ihnen Leben, so ursprünglich wie neu. 

Eine profunde Quelle der Inspiration ist die Natur, eine Plastik destiliert sie aus dem Durchlebten, sagt Paul Sieber. Das lateinische «Natura» bedeutet Geburt, Schöpfung, meint also etwas Dynamisches. Diese Dynamik arbeitet Paul Sieber aus dem scheinbar Statischen heraus.

Dynamik – Kraft – Gewalt. Die Werke von Paul Sieber haben viel mit Dynamik und Kraft zu tun, nichts aber mit Gewalt. Dafür mit Liebe zum Material, mit einer behutsamen Zartheit.

Die Bewegung im Stein kann hier eine ganz leise sein, vergleichbar mit dem Atmen, oder auch eine dramatische, demonstrativ sichtbare.

Die Steinbildhauerei ist eine Geduldsarbeit. Beim Modellieren mit weichem Werkstoff können spontane Einfälle verarbeitet werden. Kaum aber bei der Arbeit am Stein. Paul Sieber fällt viel ein. Was der Bildhauer ins naturgemäss langsam entstehende Werk nicht einbringen kann, drückt der Maler und Zeichner aus. Die Unterschiede zwischen den verschiedenen Medien sind äusserlicher Art. Dass es sich bei den zweidimensionalen Arbeiten nicht um Entwürfe zu Plastiken handelt, sondern um Bilder parallel zur Bildhauerei, muss ich nicht weiter erklären. Alles, was Paul Sieber schafft, ist verbunden durch den Begriff des Authentischen. Paul Sieber gestaltet das, was ihn beschäftigt, oder eben bewegt.