G u i d o--M a g n a g u a g n o
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---peter killer

---jon matheson

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Geht das zusammen - Humor und Skulptur

Kaum, denkt man zuerst. Und denkt vielleicht an all die ernsten Bildhauer, die man kennt. Und denkt vielleicht an die Schwere des Materials, insbesondere bei Steinbildhauern, und an die Mühsal der Bearbeitung. Denkt an die schweren Brocken, die sie meist selber sind. Denkt etwa an unsern Hans Aeschbacher oder den grossen Constantin Brancusi, dessen Atelier ich noch jüngst vor dem Centre Pompidou betrachtete, weit entfernt von einem Lächeln. Da auch Jean Tinguely zeitweilig sein Nachbar war, weiss ich, dass er im Alltag so wenig lustig war wie seine Skulpturen gravitätisch sind, perfekt für die Ewigkeit gedeichselt. Tinguely und Humor - ja sicher. Schrott macht leichtsinniger. Am Leichtesten vielleicht macht es die populärste Skulptur überhaupt: Der Gartenzwerg. Hier wird Humor gleich mitgeliefert, in allen Schattierungen. Auch Tinguely hat diese keineswegs verschmäht, seit seinem Plateau Agriculturel" wirbelten sie nicht nur auf rostigen Tanzböden. Und Paver Schmidt erst, er machte Ihnen mit seinen Sprengungen wieder den Garaus. Sie merken, worauf ich angesichts des Werks von Paul Sieber hinaus will.Als ich googelnd vergeblich nach seinem Geburtsdatum forschte, stiess ich immerhin auf seinen Geburtsort. Und jetzt wird's lustig. Er heisst Burgistein, und liegt irgendwo zwischen Bern und Freiburg. Hier also wurde Paul Sieber geboren. Dann wurde er ausgerechnet SteinbildhauerDer Name Burgistein taucht erstmals in der Mitte des 13. Jahrhunderts auf. 1259 erwarb Jordanus de Tuno die Herrschaft von Burgistein. An aussichtsreicher Lage, dort wo heute noch das Schloss steht, errichtete Jordan von Burgistein, wie er sich von da an nannte, eine Burg. Diese Herrschaft dauerte bis ins Jahr 1340. Die Festung von Burgistein wurde dann von den Bernern vollständig zerstört und der Armbrustschütze Ryffli tötete Jordan mit einem Pfeil. Die Nachfahren erinnerten sich später an diese Tat und seit 1925 findet im Mai jedes Jahr das traditionelle Ryfflischiessen statt. Die heutige Anlage stammt aus dem 16. Jahrhundert und ging 1717 an Juliana von Wattenwyl über. Sie brachte die Herrschaft in ihre Ehe mit Emanuel von Graffenried ein und seither sind Schloss und Güter bis auf den heutigen Tag im Besitz dieser Familie geblieben.Als Hauptzeugnis für meine wilde Behauptung weise ich auf die Waffensammlung aus Stein hin, die der Bildhauer vor wenigen Jahren aus hartem Granit meisselte, und die er als "Unnütz" betitelte. Ich muss als Rüstkammern-Spezialist schon sagen, so haben wohl die Wattenwyls und Graffenrieds das Hieb- und Stichwaffen-Arsenal, die Pfeile und Speere ihrer Vorfahren nicht aufbewahrt. Es steht indessen zu vermuten, dass der Jüngling die Burg in  Burgistein nicht nur einmal besuchte und wohl auch am Ryfflischiessen teilnahm. Seither schichtet er Versatzstücke der Burg und seiner Erinnerung um.Natürlich sucht er seine Materialien mit Akuresse anderswo aus, natürlich arbeitet er nicht mit Objets trouves aus der Gürbe, im Gegenteil, aber bewahrt hat er sich seine Burg-Spiel und Bau-Freude schon. Natürlich wird er wohl nie die Burg nachbauen, aber Teile davon liefert er. Ironisch gebrochene, humorvolle eben. Er kann aus Steinen Objekte machen, die selber lächeln und die schmunzeln machen - aus einem Material also, dem man dies mitnichten zugetraut hätte. Schauen sie seine "Landung" an. Ein Meteorit wie der neue Airbus oder Jumbo, viel zu schwer zum Fliegen aber bei der Landung zu schwungvoller Schönheit erstarrt. Dass ein Stein so sanft und formvollendet aufschlagen kann, hab ich beim besten Willen noch nie gesehen.Es fällt schwer, ernst zu werden. Also diese Kegel, die schon auf der Einladungskarte nicht auf einem vermeintlichen Schachbrett sich gruppieren, sondern im Gitterrost von Armierungseisen, was können sie anderes Sein als eine Parodie? Die Persiflierung der Geisthoheit des Spiels der Könige - und ein bissiger Kommentar auf die Beton -Architekten der Gegenwart? Dann heisst das Ganze noch verheissungsvoll "Party 666", lädt aber sicher nicht zum Grillieren ein. Eher schon kommt mir jene berühmte Bernini-Skulptur in den Sinn, wo der weissmarmorene christliche Märtyrer Laurentius wahrhaftig gebraten wird. Für unsern Professoren Preimesberger hochgestochen ein Paradigmawechsel, für mich unfreiwilliger Humor.Schon wieder Unernst (Max Ernst konnte es übrigens auch, das ganz Seltene). Probierens wir mit den Zeichnungen. Das fehlt ja der Rösselsprung zwischen Material, Tradition, Gewicht und Parodie. Dass jeder gute Bildhauer einen guten Zeichner in sich braucht, ist ein kunsthistorischer Gemeinplatz. Das Zeichnen ist sozusagen der Gegensatz im Ephemeren, Skizzenhaften, fragmentarischen. Es ist die reine Spielwiese. Paul kann es. Und zwischen der Halbleere der Blätter und der erdgebundenen Skulptur tut sich jener luftige Raum auf, der dem Spannungsbogen der Kreativität und Vorstellungskraft reserviert ist.Wie in der Art von Malerei, die der Künstler vorsichtig" Tableau" nennt und wohl vor allem der Farbsuche gilt, scheinen sowohl der Humor wie die Kindheitserinnerungen vom Burgleben vorerst fern. Hier misst sich der Künstler an abstrakteren Gegebenheiten - da wetzt er nicht an der Herkunft. Das erlaubt ihm, seine Leichtigeit und Leichtfertigkeit zu perfektionieren, die Formdistanz zu finden. Und das ausmacht, dass sein Humor fein ist, nie in der Nähe von laut oder gar grobschlächtig gerät, dass seine Figuren etwas Fauniges ausstrahlen, wie "fairy tales", womit wir bei Shakespeare und doch wieder bei Burgen angelangt wären. Aber bei solchen reiner Poesie.