J o h n --M a t h e s o n

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----peter killer

---guido magnoguagno

---biographie

In den Arbeiten von Paul Sieber ist eine Dialektik zu erkennen, in der er verschiedene Formen gegeneinander setzt und sie dadurch in ihrer Eigenart evident werden lässt: weich zu hart, rund zu eckig, konkav zu konvex, aber auch gedrungen, fast unterwürfig, zu sich reckend, sich entfaltend, ja sich befreiend. Oder es steht die grosse Einzelform gegen eine Vielzahl sich ähnlicher, kleinerer Elemente. Mit der gegenseitigen Durchdringung von Formen, die Negativ- wie Positivgebilde offen lässt, weist Paul Sieber auf die Veränderlichkeit der Formen schlechthin und auf ihre Beziehungen untereinander. Weiter ist ein Gegensatz von nichtfigurativ zu realistisch zu bemerken. Die einzelnen Werke sind zum einen eine Art abstrakte Bausteine, die blockartig geschlossen sein können, oder sie wirken, zum anderen, wie totemartige Körperidole. Gelegentlich scheinen seine Formen, die aus der selbst gestellten Aufgabe wachsen, sich geradezu eigenmächtig aus dem Hintergrund herauszuschälen, oder sie scheinen angeschnitten, überlassen dem Betrachter die grosse Möglichkeit, die Figur optisch zu vollenden.Sein Werk lebt auch aus dem Gegensatz von Formgestaltung und Naturbelassenheit. So lässt er den Stein - oftmals ein Fundstück - manches Mal weitgehend unbearbeitet, gibt ihm nur eine zusätzliche, von ihm geschaffene Form hinzu, greift nur minim gestaltend künstlerisch ein. Da ergibt das ein kopfähnliches Gebilde, an anderer Stelle belässt er den Stein - Lava gleich aufgebrochen - im reinen Naturzustand.  Steinschwären‚ Unreinheiten in der Struktur stören ihn nicht, im Gegenteil, sie inspirieren ihn. Ganz ähnlich geht er bei der Platzierung von Skulpturen vor, er bereichert‚ etwa eine Landschaft mit kaum spürbaren Eingriffen, setzt seine Skulpturen so hin als wären die schon immer dagewesen. Und was zunächst subtil bearbeitet und durchgestaltet wirkt, ist oftmals in Wahrheit ein Spiel der Natur, der geologischen Kräfte. Damit unterscheidet Paul Sieber sich von seinen Vorbildern Constantin Brancusi, Otto Müller und Hans Aeschbacher - für den letzteren war er in jungen Jahren als Assistent tätig - und er hat von diesen unabhängig seine eigene Sprache entwickelt. Eine Handschrift, die bis zur Dimension des Transzendenten reicht.Er wandert als sensibler, naturverbundener Künstler mit offenen Augen durch die Welt. Er reagiert aber nicht nur auf sein künstlerisches Material, sondern ebenso auf die Probleme, die sich ihm in unserer Zeit stellen. So leitet ihn ein tiefes politisches Bewusstsein, das in seinem Oeuvre allgegenwärtig ist. In seinen Werken spricht er darauf an.Das findet seinen Ausdruck etwa in dem Werk, mit dem er auf die Ermordung des Präsidenten Salvador Allende reagierte - es steht bis heute im Gelände der Kantonsschule Riesbach in Zürich. Daneben gibt es auch Arbeiten, die er im Zusammenhang mit dem Golfkrieg schuf, vor allem aber bringt er in seinen Werken immer wieder, metaphorisch verschlüsselt, Gedanken zur sozialen Situation seiner Zeitgenossen, insbesondere derer, die sich ihr Brot durch mühsame Arbeit verdienen, zum Ausdruck. Dazu treibt ihn kein Kommunismus, sondern sein Gefühl der Humanität. So notierte er 1991 in seinen Gedanken zu: Gesundheit bekämpfen: Der Spekulant und seine Kinder- Demokratische Schieber- Arme bekämpfen nicht die Armut. Die Wahrung der Menschenrechte und ihre Umsetzung in den sichtbaren künstlerischen Alltag sind ihm ein Anliegen, zeugen von seinem Engagement, das vor allem anderen das Menschliche in den Vordergrund stellt. So steht die ganze Persönlichkeit des Bildhauers Paul Sieber hinter all seinen Arbeiten; humorvoll, oft ironisch, auch einmal sarkastisch, und dies schlägt sich jeweils auch in seinen Arbeiten nieder. Überdies sprechen die Titel ihre eigene Sprache - sie reichen von der griechischen Mythologie bis zu einer präzisen, oftmals gar skurrilen Beschreibung des bearbeiteten Werks. Dabei ist Paul Sieber ein farbliebender Mensch. Seine Werkstoffe reichen vom weissen Jurakalk über grünlichen Diabas, rosaroten Porphyr und bunt gemusterte Konglomerate bis zu blaugrauer Basaltlava. Im Senegal fand er dunkelrote Lateritklötze und sandfarbene Termitenziegel, was ihn nicht hinderte, im Appenzellerland auch einfach Tannzapfen zu benutzen, oder sich mit Beton oder Styropor auseinanderzusetzen. Er stöbert in Steinbrüchen herum, findet gelegentlich sein Material in Schutt- oder auf Baustellen - per Zufall. Es macht oft den Anschein, als ob ihn die Beschaffenheit des Steins zur Realisation eines lang gehüteten Motivs antreibt, das er, einer schwangeren ähnlich, für lange Zeit mit sich herumträgt. Er wandert suchend und findend. Er trägt sich mit Gedanken, welche wahrnehmbaren Bedeutungen er einem Material geben oder wie er diesem einen anderen Geist einhauchen könnte, als eine Abstraktion des Gesuchten und des Verinnerlichten. So entstehen seine Plastiken im Kontext des Erlebten und seiner Erkenntnisse.